getauft, ausgestoßen - und vergessen?

Die ökumenische Friedensdekade 2012 in Niederrad nahm die aktuelle Wanderausstellung und Dokumentation zu „Evangelischen Christen jüdischer Herkunft“ zum Anlass, um über Vergangenheit und Gegenwart jüdisch-christlichen Lebens in Niederrad nachzudenken. Die Ausstellung selbst war während der Dekade in der kleinen Kirche zu besuchen.

Sind Ihnen schon die gold glänzenden Pflastersteine auf den Gehwegen unserer Stadt und im Stadtteil  aufgefallen? Diese Stolpersteine erinnern an Mitbürgerinnen und Mitbürger, die von den Nationalsozialisten vertrieben worden. Sie sind vor den Häusern angebracht, in denen sie wohnten. Wir luden  ein, bei einem Rundgang die Menschen, die hinter den Namen stehen, und ihr Schicksal genauer kennenzulernen.
Als zweite Veranstaltung gab es einen Abend mit Lesung, Erzählung und Musik, der sich der Autobiographie von Lilo Günzler aus Schwanheim widmete.  Sie lebte mit ihrer Familie in der untergegangenen Altstadt Frankfurts und später eine Zeit lang in Niederrad. Ihre Mutter war Jüdin und wurde in ein Konzentrationslager verschleppt. Die bewegende Geschichte einer Frankfurterin zwischen Katholizismus und Judentum stand im Zentrum dieses Abends. Musikalisch stand die Musik von Daniel Kempin im Dialog zu den Texten. Seine Musik führte bis in die Gegenwart des liberalen Judentums im Frankfurt des 21. Jahrhunderts.

Als letzter Baustein der Friedensdekade 2012 luden wir zu einem ökumenischen Gottesdienst ein, der am Buß- und Bettag zugleich die Ausstellung beendete. Pfarrer Martin Stöhr hatte sich intensiv mit dem Schicksal evangelischer Christen jüdischer Herkunft in Frankfurt beschäftigt. In seiner Predigt widmete er sich der kritischen Erinnerung dieses verschollenen Themas und stellte die gegenwärtige Gestaltung des Verhältnisses von Juden und Christen auf den Prüfstand.

Samstag, 10. November 2012
11:00 – ca. 14:00 Uhr
STOLPERSTEINE...
Ein Gang des Gedenkens.
Mit Robert Gilcher.
Der Rundgang zu den Stolpersteinen im Pflaster des Stadtteils beleuchtet Biographien nationalsozialistischer Opfer aus Niederrad.
Treffpunkt Kelsterbacher Straße 41

nach oben