Kleine Geste, große Wirkung

Senfkorn-Preisträger helfen Obdachlosen beim Einrichten der neuen Wohnung

Von Natalie Kiehl

Aus einem kleinen Senfkorn kann ein großer Strauch wachsen, erzählt die Bibel im Matthäus-Evangelium. Auch eine einzige gute Tat kann der Start sein für eine große positive Entwicklung. Zum Beispiel ein kleiner Geldbetrag, der ehemaligen Obdachlosen dabei hilft, ihre Wohnung einzurichten.

Das ökumenische „Wohnprojekt Hoffnung“ in Niederrad hilft seit 17 Jahren Wohnsitzlosen, die eine neue Unterkunft beziehen. Eine Gefriertruhe, ein Schrank, Vorhänge – für wenig Geld kann in dieser Situation viel erreicht werden. Für dieses Engagement wurde die Initiative der evangelischen Paul-Gerhardt-Gemeinde und der katholischen Gemeinde Mutter vom Guten Rat am Donnerstag mit dem Senfkornpreis der Arbeitsgemeinschaft Caritas der Gemeinde (ArGe) ausgezeichnet.

Caritasdirektor Hartmut Fritz würdigte die Arbeit des Projekts, das „an einer entscheidenden, sensiblen Stelle im Leben eines Obdachlosen ansetzt“. Im schwierigen Übergang vom Leben auf der Straße hin zu einer neuen Wohnung sei Solidarität besonders wichtig, sagte er. Auch wenn die vergebenen Beträge meist 200 bis 300 Euro nicht übersteigen, sei die symbolische Aussage für die Unterstützten sehr groß.

Mit 11 000 Euro Startkapital begann die Initiative 1991, ehemaligen Obdachlosen individuell und unbürokratisch zu helfen. Sie springt in Fällen ein, in denen andere Hilfsmittel wie Wohngeld bereits ausgeschöpft sind oder nicht gewährt werden können. Die enge Zusammenarbeit des „Wohnprojekts Hoffnung“ mit Sozialarbeitern und anderen sozialen Einrichtungen gewährleistet, dass genau verfolgt werden kann, wofür das Geld verwendet wird.

Helmut Helbich, einer der Gründer der Initiative, bedankte sich für die Anerkennung der geleisteten Arbeit. „Neue Ideen, Mut zum Experiment und unbürokratische Hilfe“ seien schon bei der Gründung der Initiative Forderungen an die Wohnungslosenhilfe gewesen, sagte er. Diese seien noch heute aktuell. Mit dem Preisgeld von 1000 Euro sollen weitere ehemalige Obdachlose unterstützt werden.

Den Rahmen der Verleihung des Senfkornpreises bildete der „Tag der Ehrenamtlichen“ der ArGe. Unter dem Motto „Mach dich stark fürs Ehrenamt“ berichteten ehrenamtlich Tätige von den Beweggründen für ihr Engagement. „Wir verschenken Zeit“, beschrieb eine in der katholischen Krankenhaushilfe tätige Ehrenamtliche ihre Arbeit. Ein Sprecherteam der ArGe stellte Aktivitäten des vergangenen Jahres vor und gab einen Ausblick auf geplante Aktionen in diesem Jahr.

Auskünfte zur Arbeit der ArGe erteilt die Geschäftstelle des Caritasverbands unter der Nummer 298 21 71. Weitere Informationen zum Wohnprojekt Hoffnung bei der Paul-Gerhardt-Gemeinde Niederrad unter 666 23 49 oder im Internet unter www.pgg-ffm.de.

RVOLO

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Ausgabe: Stadtausgabe (Nr. 85)
Datum: Freitag, den 11. April 2008
Seite: 58